Flüchtlinge

Portrait Schwarzkopf Flüchtlinge

Ein Tag mit Isaak in der Beratung von Flüchtlingen

Isaac (19) macht einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in der Flüchtlingshilfe. Er engagiert sich im "Büro für ausländische MitbürgerInnen im Evangelischen Kirchenkreis Erfurt".
 

9:00

Ich treffe in unserem Büro ein. Mein Kollege Boris ist schon da. Wir besprechen kurz, was heute ansteht. Es klingelt: Ein Flüchtling aus Syrien sucht unseren Rat. Kurz nach ihm kommt ein junger Mann aus dem Irak in unser Büro.

 

9:10

Mit dem Iraker bespreche ich sein Anliegen: ein Antrag auf Elterngeld. Die Formulare sind für Muttersprachler schon schwer zu verstehen. Wer nur wenig Deutsch kann, ist beim Ausfüllen auf Hilfe angewiesen. Inzwischen kenne mich mit den wichtigsten Anträgen und Formularen ganz gut aus. Der Iraker und ich können uns auf Englisch verständigen. Das ist nicht immer so. Flüchtlinge bringen oft Bekannte oder Angehörige mit, die übersetzen. Als Arabisch-Dolmetscher unterstützt uns so oft es geht ehrenamtlich ein Iraker.

 

10:15

In der Stadt bieten wir an mehreren Standorten Kurse für Flüchtlinge an, die ihnen bei der Integration helfen. Jetzt ist gerade große Pause. Das ist die Gelegenheit, um einen Lehrer anzurufen. Ich bitte ihn, den Schlüssel zum Seminarraum nach dem Kurs in unser Büro zu bringen. Morgen braucht ihn ein anderer Lehrer. Das Organisieren der Kurse nimmt viel Zeit in Anspruch: Seminarräume vorbereiten, Plakate aufhängen, Handzettel verteilen, Lehrkräfte und Ehrenamtliche koordinieren, Teilnehmerlisten verwalten, Abrechnungen mit den Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und, und, und. All das muss ich im Blick behalten.

 

 

Info Box

Tätigkeitsbereich "Flüchtlinge"
Label / Titel: 
Typische Einsatzbereiche
Inhalt: 

zum Beispiel Beratungsstellen von Hilfsorganisationen, Hilfsinitiativen von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchengemeinden, Öffentlichkeitsarbeit

Label / Titel: 
Was macht man da alles?
Inhalt: 

Flüchtlinge bei Behördengängen begleiten und unterstützen, Übersetzen und Dolmetschen, Deutsch unterrichten, Kinder betreuen, Mitarbeit in Unterkünften, Kleiderkammern und Warenlagern, Freizeitangebote vorbereiten und begleiten

Label / Titel: 
Was sollte ich für diese Tätigkeit mitbringen?
Inhalt: 

Interesse an anderen Kulturen und Religionen, Toleranz, Geduld, Einfühlungsvermögen, Flexibilität, Kontaktfreude, gute Sprachkenntnisse

Label / Titel: 
Was bringt mir das?
Inhalt: 

Soziale und interkulturelle Kompetenzen, Menschenkenntnis, Einblicke in die Zusammenhänge internationaler Konflikte, Sprachkompetenz, Erfahrungen im Umgang mit Behörden

10:30

Ein Teilnehmer gibt seine Krankmeldung ab. Bei den Integrationskursen ist es wie in der Schule: Sie sind Pflicht.

 

10:45

Das nächste Beratungsgespräch: Ein Syrer ist als Flüchtling anerkannt worden und darf nun seine Familie nachholen. Gemeinsam füllen wir die nötigen Formulare aus. Die Dokumente schicke ich per Mail an die Deutsche Botschaft im Libanon, damit die Familie dort ihre Visa beantragen kann.

 

12:00

Mittagspause. Die verbringe ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Küche. Meistens besorgen wir uns etwas in der Nähe, beim Döner-Imbiss um die Ecke bin ich Stammkunde. Wir sitzen wir zu sechst um den Tisch. Eine heitere Runde, die oft auch eine Dienstbesprechung ist, da wir bei der Gelegenheit über aktuelle Fälle und Termine reden.

 

13:00

Ich kümmere mich um fünf Kursteilnehmer die auf ihrem Heimweg in unserem Büro vorbeikommen. Wir klären, ob die Fahrtkosten erstattet werden können.

 

13:30

Unser Büro-Team bereitet zurzeit eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Asylrecht vor. Ich entwerfe einen Flyer. In den kommenden Tagen werde ich viel unterwegs sein, um in Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen den Flyer auszulegen und Plakate aufzuhängen.  

 

14:30

Ich gehe Einkaufen. Heute Abend kommen in unserem Büro Ehrenamtliche zusammen, um Erfahrungen auszutauschen. Für dieses Treffen besorge ich Tee, Kaffee, Kekse und Obst. Im Supermarkt treffe ich zwei Flüchtlinge, die an einem unserer Integrationskurs teilnehmen. Wir halten ein Schwätzchen - fast hätte ich die Zeit vergessen.

 

15:30

Ein Afghane bittet um Hilfe beim Ausfüllen seines Antrags für das Arbeitslosengeld. Der 50-jährige Familienvater muss jeweils für sich, seine Frau und die beiden Kinder ein Formular ausfüllen.

 

16:00

Ich begleite einen 18-Jährigen aus Syrien zur Wohnungsbaugenossenschaft. Er sucht dringend eine Sozialwohnung, weil er in Erfurt eine Ausbildung beginnen möchte. Doch die Aussicht, etwas Bezahlbares zu finden, ist gering. Ein Dilemma. Wie dem Syrer geht es vielen Flüchtlingen: Dort, wo sie untergebracht sind, gibt es oftmals kaum Arbeit. Und in Erfurt, wo es Arbeit gibt, sind praktisch keine Wohnungen mehr zu bekommen. Wir stellen trotzdem einen Antrag, vielleicht hat der Syrer ja Glück.

 

16:45

Zurück im Büro erwartet mich ein Iraker. Ich helfe ihm bei seinem Weiterbewilligungsantrag fürs Jobcenter. Dafür brauche ich nur wenige Minuten.  Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Erfahrung ich als Freiwilliger in den paar Monaten bereits sammeln konnte. Ich habe zum Beispiel gelernt, wie man mit Behörden umgeht. Wie das Leben von Flüchtlingen in Deutschland tatsächlich abläuft. Oder wie Asylverfahren ablaufen.

 

 

17:00

Für das Treffen der Ehrenamtlichen richte ich den Seminarraum in unserem Büro her: Stühle stellen, Tisch eindecken, Snacks und Getränke bereitstellen, ich wische noch schnell die weiße Wandtafel. Der Raum soll einladend sein. Die Ehrenamtlichen sind für die Arbeit unseres Büros eine wichtige Stütze. Bei den monatlichen Treffen vermittelt meine hauptamtliche Kollegin hilfreiches Wissen für die Arbeit in der Flüchtlingshilfe. Die Ehrenamtliche können Erfahrungen austauschen und Probleme besprechen.

 

17:30

Jetzt ist Feierabend.

Protokoll: Timon Müller

Stellen zum Tätigkeitsbereich
Schweden

Råslätt ist ein kleiner Vorort von Jönköping im Süden Schwedens. Dort engagierst du dich zusammen mit dem OM Team und der Kirchengemeinde im Jugendtreff "Underground" unter Migranten und hilfst im second-hand Laden aus. Der Jugendtreff bietet dir die Möglichkeit, um Beziehungen mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund aufzubauen, ihnen bei Schularbeiten zu helfen und Freizeit gemeinsam zu gestalten. Dein Einsatz hilft ihnen ihr Potenzial zu entwickeln. 

Auch in der lokalen Kirchengemeinde kannst du dich auf vielerlei Weise einbringen. 

Österreich

In Linz gibt es einen Ausländeranteil von ca. 20%. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Herausforderungen, denen du zusammen mit dem "Building Bridges" Team begegnest.

Der Schwerpunkt deiner Arbeit liegt im Kinder- und Jugendbereich. Du unterstützt Kinder und Jugendliche durch Hausaufgaben- und Lernhilfe und das Kreieren eines sinnvollen Freizeitprogrammes.

Auch anderweitig kannst du die Flüchtlingsarbeit (z.B. Deutschunterricht) unterstützen.

Großbritannien

Du arbeitest in kleinen, internationalen Teams in verschiedene Partnergemeinden in und um Birmingham. Diese Gemeinden haben unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit. Sie arbeiten mit Kindern und Jugendlichen.

Deutschland
Gießen

Mit dem Jump-Team bist du im CVJM Gießen, im CVJM-Westbund und in weiteren Teilen Deutschlands für den CVJM unterwegs. Jump Gießen legt seinen Schwerpunkt auf Sportarbeit mit Geflüchteten sowie Kinder- und Jugendarbeit.

Das Team besteht aus 8 Personen. Sie wohnen alle in einer gemeinsamen WG und sind sportmissionarisch unterwegs.

Konkrete Aufgaben die dich in Gießen erwarten, sind unter anderem die Folgenden:

Deutschland
Singen

CVJM SINGEN HOHENTWIEL E.V.
Das Ziel des CVJM Singen Hohentwiel e.V. ist es "der Stadt Bestes zu suchen". Dies geschieht ganz praktisch dadurch, dass die Freiwilligen Jugendliche erst einmal dort erreichen, wo sie am meisten sind – in der Schule. Die Freiwilligen unterstützen die Schülerinnen und Schüler und geben so Gottes Liebe weiter.

Deutschland
Leer, Meppen, Stuttgart

Du hast Lust dich die ganze Woche mit jungen Menschen zu beschäftigen? Mit ihnen abhängen und coole Projekte starten oder eine inspirierende Bibelarbeit ausarbeiten!? Zwischendrin vielleicht einen Gottesdienst mitgestalten oder Geflüchteten die Deutsche Sprache und Kultur näher bringen...

All das ist möglich und noch mehr. Du kannst deine Fähigkeiten entdecken und ausprobieren. Egal ob du später Lehrer*in, Pastor*in oder Handwerker*in werden willst oder auch was komplett anderes. Probiere dich im Umgang mit Menschen aus und freue dich auf das beste Jahr deines Lebens.

Deutschland
Berlin

Die gemeinnützige und mildtätige Stiftung Jona besteht seit 2005. Sie wurde in privater Initiative von Prof. Angelika und Prof. Jürgen Bier gegründet. Ihr Ziel ist, die Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien nachhaltig zu verbessern. Viele Kinder wachsen in den Brennpunkten von Berlin-Spandau in materieller Armut auf. Zudem bestimmen Perspektivlosigkeit und fehlende soziale Werte ihren Alltag. Hier können, wollen und müssen wir helfen!