Frieden und Entwicklung

Vladimir macht einen Friedensdienst in der Gedenkstätte Neuengamme

Ein Tag mit Vladimir in der Gedenkstätte

Vladimir (29) kommt aus Russland. Er absolviert einen Friedensdienst in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Während des Zweiten Weltkrieges waren in dem Hamburger Konzentrationslager mehr als 100.000 Menschen gefangen. Vladimir erzählt, wie sein Freiwilligendienst abläuft.

 

9:00

Ich komme in die Gedenkstätte. Am Empfang sage ich meiner Kollegin kurz „Hallo“ und schaue nach der Post.  Fast täglich bekommen wir Post von ehemaligen KZ-Häftlingen aus der Ukraine, Russland und Weißrussland. Im Büro schaue ich als erstes in die E-Mails und erstelle dann meine „To-Do-Liste“ für den Tag.

9:30 

Ich widme mich den neuen Briefen. Zuerst übersetze ich den Inhalt und trage alles Wichtige in ein Formular ein. Gleichzeitig füge ich das Datum des Briefes in eine Datenbank ein. Später beantworte ich die Post. Eine wichtige, aber nicht immer leichte Aufgabe. Viele der ehemaligen Häftlinge klagen über ihre schwere Lebenssituation. Einer schreibt zum Beispiel, dass er sehr krank ist und kein Geld für wichtige Medikamente hat. Ich spreche mit einer Frau aus dem Freundeskreis der Gedenkstätte, und wir schicken ihm ein bisschen Geld. Manchmal teilen Verwandte ehemaliger Häftlinge in einem Brief mit, dass ein Mensch gestorben ist. Das ist immer traurig. In diesen Fällen schreibe ich eine Beileidskarte. Dazu schicken wir ein bisschen Geld und bitten darum, Blumen fürs Grab zu kaufen. Es kann aber auch sein, dass Leute einfach nur meine Meinung zu Neuigkeiten in aller Welt wissen wollen.

11:30

Kaffeepause mit meiner Kollegin: Sie ist eine Freiwillige aus Deutschland. Oft bitte ich sie, meine Texte zu prüfen, weil mein Deutsch nicht so gut ist und sie hilft mir gerne.

Info Box

Tätigkeitsbereich "Frieden und Entwicklung"
Label / Titel: 
Typische Einsatzbereiche
Inhalt: 

Gedenkstätten, Nichtregierungsorganisationen, Verbände, Archive, Initiativen, staatliche und kirchliche Organisationen

Label / Titel: 
Was macht man da alles?
Inhalt: 

Exkursionen, Workshops und Vorlesungen vorbereiten, Besucher über die Geschichte informieren, Dokumente sichten und übersetzen, Kontakt mit ehemaligen Häftlingen und deren Angehörigen halten, Zeitzeugengespräche

Label / Titel: 
Was sollte ich für diese Tätigkeit mitbringen?
Inhalt: 

Verständnis für Angehörige der Häftlinge, ihre Probleme und Interessen, Spaß am Schreiben von Briefen und der Arbeit im Archiv, keine Scheu größere Gruppen anzuleiten und fremde Menschen zu interviewen, Computerkenntnisse, gute Sprachkenntnisse

Label / Titel: 
Was bringt mir das?
Inhalt: 

Erste Einblicke in die Gesaltung und Dokumentation von Zeitgeschichte, Einblicke in die Organisation und Arbeitsabläufe von (Nichtregierungs-) Organisationen und Gedenkstätten, (im Ausland:) Sprachkompetenz, Einblicke in die Geschichte, Kontaktpflege mit Personen aus aller Welt, Öffentlichkeitsarbeit

11:45 

Bald wird bei uns ein Besuchsprogramm für ehemalige Häftlinge stattfinden. Ich habe eine Liste von Personen, die früher bereits an einer solchen Veranstaltung teilgenommen hatten. Ich rufe sie an und frage, ob sie Lust und Zeit haben, die Gedenkstätte zu besuchen. Im Internet suche ich dann eine passende Reiseverbindung für sie heraus.

12:30 

Nächste Woche wird es ein Treffen im Rathaus mit ehemaligen Häftlingen aus Deutschland geben. Meine Kollegin und ich haben die Aufgabe, ein Interview zu führen. Wir haben die Lebensgeschichte eines Ex-Häftlings per E-Mail bekommen. Wir lesen die Geschichte und überlegen uns Fragen, die wir stellen können.

13:00

Mittagspause. Wir essen in unserem Büro. Währenddessen lese ich Nachrichten aus Russland und der Ukraine auf russischen und auf deutsche Internetseiten. Ich vergleiche die Nachrichten und rede mit meiner Kollegin über Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

13:30 

Eine Kollegin bittet mich, eine Quiz-Aufgabe für Kinder vorzubereiten. Sehr oft kommen Schulklassen in die Gedenkstätte. Für Jugendliche gibt es Exkursionen, Vorlesungen und Workshops. Für Kinder haben wir uns etwas anderes überlegt, wie wir für sie den Gang durch die Gedenkstätte spannender gestalten können: einen Wettbewerbe. Die Idee: ein Suchspiel. Auf dem Gelände der Gedenkstätte gibt es viel Interessantes zu entdecken. Ich nehme einen Fotoapparat, gehe übers Gelände und fotografiere alles, was ich interessant finde.  Zurück im Büro sichte ich mit meiner Kollegin die Fotos und suchen die besten Motive heraus. Die Kinder werden eine Geländekarte mit nummerierten Fotos bekommen. Sie sollen dann alle Bilder auf dem Gelände finden.

15:00 

Ein ehemaliger Häftling hat uns einen Dokumentarfilm über die Gedenkstätte Neuengamme geschickt. Leider ist er auf Russisch, aber für unseren Archivar ist er sehr interessant. Ich soll mir den Film anschauen und deutsche Untertitel schreiben.

16:00 

Heute habe ich noch ein bisschen Zeit, um ins Archiv zu gehen. Dort gibt es eine riesige Menge alter Fotos. Wenn gerade keine dringenden Aufgaben anstehen, scanne ich nach und nach alte Fotos ein. Anschließend trage ich die Bilder in eine Datenbank ein und übersetze gegebenenfalls, was auf die Vorder- oder Rückseite der Fotos geschrieben ist.

17:15 

Restliche Kleinigkeiten: E–Mails checken, Aufgaben für den nächsten Tag aufschreiben.

17:30 

Ich verabschiede mich bei den Kolleginnen und Kollegen in den Feierabend.  

Protokoll: Jörn Polzin

 

Stellen zum Tätigkeitsbereich
Nordirland
Belfast

Die Archen von Jean Vanier sind christlich geprägte Lebensgemeinschaften, in denen Menschen mit geistiger Behinderung mit Menschen ohne Behinderungen zusammen leben. Neben der individuellen Unterstützung der einzelnen Menschen mit Behinderungen geht es vor allem darum, ein gemeinsames Leben zu organisieren und gestalten.

Der/die Freiwillig unterstützt Menschen mit Behinderung, erledigt hauswirtschaftliche Arbeiten wie Kochen, Waschen, Putzen etc. und gestaltet die Freizeit und Fest mit den Menschen in der Gemeinschaft.

Uganda
Mpererre (Vorort von Kampala)

Ein Rehabilitationszentrum für Kinder mit Behinderungen in Kampala. Kinder mit Behinderungen werden im Zentrum untersucht, erhalten medizinische (Verbände, Gipse..), therapeutische (Kranken- und Beschäftigungstherapie) soziale (Sport, Spiel, Beratung, Kreatives) Versorgung sowie psychosoziale Unterstützung. Sie werden mit einem Elternteil aufgenommen, welche auch unterrichtet werden, um etwas über die Behinderung ihrer Kinder zu lernen und die Kinder später zu Hause weiter zu fördern.

Uganda
Kampala

Die Organisation setzt sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung in ärmeren Stadtteilen der Hauptstadt Kampala ein. Die Berufsschule bildet junge Schüler_innen, Student_innen im Bereich Gartenbau und Landschaftsgestaltung aus.

Mitarbeit in der Berufsschule, Katalogisieren von Pflanzen, Erstellen und Wartung einer Datenbank, Mitarbeit bei Bauarbeiten auf dem Gelände, gärtnerische Aktivitäten, Übernahme kleinerer Lehrtätigkeiten (z.B. im IT-Bereich, Sport)

Uganda
Ngogwe (Dorf zwischen den Städten Kampala und Jinja)

YARD ist eine Organisation im ländlichen Raum und unterstützt unterschiedliche Projekte. Die Hauptarbeitsgebiete sind: 1. die nachhaltige ländliche Entwicklung in den umliegenden Gemeinden; 2. die Unterhaltung eines Berufsbildungszentrum im Dorf Ngogwe (zwischen den Städten Kampala & Jinja), wo die hauptsächliche Einsatzstelle des Freiwilligen ist. Hier werden junge Menschen in handwerkliche Berufe wie Tischler_in, Maurer_in, Schneider_in, Elektriker_in oder Friseur_in sowie Sekretär_in und Erzieher_in ausgebildet.

Uganda
Kampala

Leben und Arbeiten in einer Gemeinschaft mit Menschen mit geistigen und z.T. körperlichen Behinderungen. Die integrativen Lebensgemeinschaften der Arche nach Jean Vanier gibt es weltweit und besteht in Kampala seit 1990.

Spiel-, Sport-, und kreative Aktivitäten mit den Bewohner_innen der Arche, alltägliche Haushaltsarbeiten (kochen, putzen, etc.), Assistenz bei der Pflege und ggf. Hilfstätigkeiten im administrativen Bereich (z.B. Erstellung Newsletter, Fundraising).

Uganda
Nakaloke (in der Nähe von Mbale)

Gemeinschafts- und Gemeinwesenprojekt für ländliche Entwicklung und Ökologie: Gesundheitszentrum, ökologische Bildungsarbeit in den anliegenden Dörfern, Waisenhaus, Baumschule und Kräutergarten. Einsatzmöglichkeiten: Mithilfe im ökologischem Bereich, im Waisenhaus mit den Kindern, in der beruflichen Bildung (Werkstätten, PC Kurse, Englisch), Gästebetrieb, Landwirtschaft.

Uganda
Mbale, Masaka und Jinja

Es handelt sich um eine nationale, christliche Organisation, die sich für die Bedürfnisse von Straßenkindern und deren Familien einsetzt. Die Kinder/Jugendlichen werden von den Sozialarbeiter_innen auf den Straßen aufgesucht, in Zentren betreut, unterrichtet, ausgebildet, verpflegt und beraten. Ziel ist die Rückführung in die (Groß)-Familien.

Marokko
Tanger

Es handelt sich um ein Kulturzentrum. Zielsetzung ist die Begleitung, Unterstützung und Professionalisierung von jungen marokkanischen Künstler_innen. Der Verein bietet Raum für Veranstaltungen, Tanz, Malerei, Konzerte, Diskussionen, Lesung etc.. Er soll eine Plattform für intensive Diskussionen, Austausch und Wissensvermittlung sein.

Marokko
Rabat

Der Verein Atlas Azawan ist eine marokkanische Organisation mit mehreren unterschiedlichen Bereichen. Unter anderem einem Bereich der sich Visa for Music nennt. Dort wird die Vernetzung von Künstler_innen aus Nordafrika, Subsahara-Afrika und dem Mittleren Osten gefördert. Der Verein organisiert Events auf denen sich die Künstler_innen einem breiteren Publikum präsentieren können. Darüber hinaus aber auch Konferenzen, Workshops und Seminare zur Promotion von gesellschaftlicher Teilhabe durch Kultur.

Marokko
Essaouira

Das Zentrum wurde 1995 gegründet um die Kinderrechte zu fördern und Kinder in schwieriger Lage zu unterstützen. Bayti Essaouira ist ein Tageszentrum für Kinder und Jugendliche in prekären Lebenssituationen.

Der/die FW kann verschiedene Tätigkeiten übernehmen: Hausaufgabenhilfe und Freizeitgestaltung: Sport, Basteln, Märchen erzählen, Spiele, Ausflüge, sowie Unterstützung bei administrativen Aufgaben.

Weitere Inhalte zum Thema